Multimediaguide

Der Multimediaguide zu jüdischem Leben in Erfurt ist mobiles Lernangebot für Jugendliche ab 14 Jahre. In drei Rundgängen kann mittels mobiler Tablet-PCs das jüdische Leben zur Zeit des Mittelalters, des 19. Jahrhunderts und die Zeit der Vernichtung im Nationalsozialismus in Bild, Ton und Text anschaulich kennengelernt werden.

tablet lang

 

Rundgänge:

Rundgang „Mittelalter“:
Die Ursprünge jüdischen Lebens in Erfurt reichen bis ins späte 11. Jahrhundert zurück. Über Jahrhunderte lebten Juden und Christen neben- und miteinander im Zentrum der Stadt.
Der Rundgang durchläuft die Orte dieser Zeit in sechs Etappen. Er startet hinter der Krämerbrücke, erkundet unter anderem Mikwe und Alte Synagoge und endet an der Kleinen Synagoge hinter dem Rathaus.

Rundgang „19. Jahrhundert“:
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Anteil der jüdischen Bevökerung in Erfurt gering und lag bei unter einem Prozent. Mangels Alternativen betätigten sich Juden häufig in der Privatwirtschaft und waren demzufolge wesentlich häufiger als Nichtjuden Inhaber, Gesellschafter oder Geschäftsführer von Gewerbebetrieben. Wie in anderen Regionen Deutschlands auch, betätigten sie sich in Erfurt unter anderem im Textil-, Leder- und Pelzgewerbe, im Bankwesen sowie im Getreide-, Samen- und Viehhandel. Neben einer Vielzahl von kleinen und mittleren Gewerbebetrieben gab es auch einige große und bekannte Unternehmen von Juden. Eines davon war die Firma Ernst Benary, die sich auf Gartenbau und Samenzucht spezialisiert hatte und zu einem der wichtigsten Unternehmen der Branche aufstieg.

Der Rundgang versucht die Zeit des 19. Jahrhunderts anhand der Geschichte der Benary-Familie zu veranschaulichen. Die Benarys, deren Familienchronik sehr gut dokumentiert ist, lebten und wirkten bis in die 1950er Jahre als Saatzuchtunternehmen in Erfurt. Bis heute gelten sie als Mitbegründer der Erfurter Gartenbautradition.
Das Einheiraten in protestantische Familien und Konvertieren zum protestantischen Glauben der Familienmitglieder zeigt einen Trend der Zeit und war gerade bei jüdischen Menschen höherer Gesellschaftsschichten nicht unüblich.

Zu den einzelnen Stationen sind Zusatzinformationen in Form von Dokumenten, vertiefenden Texten sowie Interviews mit Experten als Audiobeiträge abrufbar.

Rundgang „Vernichtung jüdischen Lebens zur Zeit des Nationalsozialismus“
Erfurt will die jüdischen Opfer der Stadt in Erinnerung halten und so initiierte die bürgerschaftliche Initiative, der „Arbeitskreis Erfurter GeDenken“, 1933 – 1945 2007 die Setzung von DenkNadeln, um an Erfurterinnen und Erfurter, die von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt, deportiert und ermordet wurden zu erinnern. Mit neun DenkNadeln, die im öffentlichen Raum der Stadt stehen, soll zum einen ein Hinweis auf Erfurter Geschichte im Nationalsozialismus gegeben und zum anderen angeregt werden, sich mit den Biografien dieser Erfurterinnen und Erfurter zu beschäftigen. Einzelschicksale sollen aus der Anonymität des nationalsozialistischen Massenmords an Juden herausgehoben werden.
Der Multimediaguide hält zu jeder DenkNadel Informationen in Text, Bild und Ton bereit. Ein Rundgang wird hier nicht empfohlen. Die Orte können direkt und ausgewählt besucht werden.

Nutzung des Angebots:

Zielgruppe:
Schul- und außerschulische Gruppen
Empfohlen ab 14 Jahre
bis zu 20 Teilnehmer*innen

Dauer:
Rundgänge: 1 -2 Stunden
inkl. Ausleihe, Wegstrecke und Rückgabe sollte mehr Zeit eingeplant werden

Kosten:
Für die Durchführung der Rundgänge und Nutzung der Technik entstehen keine Kosten.

Anmeldung:
Einfach per Mail oder Telefon
Radio F.R.E.I.
Gotthardtstraße 21
99084 Erfurt

Tel: 0361-74 67 421
dialog@radio-frei.de
www.dialog.radio-frei.de

Die Konzeption und Umsetzung des Lernangebots entstand u.a. in Zusammenarbeit mit Jüdisches Leben Erfurt, Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933 – 1945, Erinnerungsort Topf & Söhne und Stattreisen e.V.

Besonderer Dank gilt Dr. Ines Beese, Julia Roos und Rebekka Schubert.
Der Rundgang zum 19. Jahrhundert wurde konzeptionell durch Andreas Kubitza betreut. Die redaktionelle Verantwortung hatte Dr. Romy Langeheine und der Sprecher der Infotexte ist Joachim Schäfer.
Die anderen Rundgänge wurden v.a. durch die Projektgruppe des E.I.D. und viele helfende Hände und Stimmen von Radio F.R.E.I. produziert.